Brauchen wir ein neues Finanzsystem?
Finanzsystem? Initiativen, Vereine, Gruppen und Ideen für eine Reform des Finanzsystems - es gibt viele gute Ansätze. Das Wissen, der Wille und die Initiativen sind vorhanden. Jetzt liegt es an uns, diese zu unterstützen, zu stärken und zu kanalisieren bzw. den politischen Druck dazu aufzubauen.
Wer sich mit unserem Geld- und Finanzsystem auseinandersetzt, kann leicht erkennen, dass wir uns in der Spätphase dieses Systems befinden. Die Entwicklungen der Geldmenge auf der einen und der Schulden auf der anderen Seite, sind längst in exponentielles Wachstum übergegangen. Systemische Ursache für diese Entwicklung ist der Zinseszins- Effekt. Die globale Geldmenge X, verzinst mit dem Zins Y wächst – und das mit zunehmendem Tempo. Und da in unserem Schuldgeldsystem die Guthaben (= das Geld) der Einen, die Schulden der Anderen sein müssen, gilt das für die Schulden in gleichem Maße.
Optimisten glauben nun, dass das noch lange so weiter gehen könne. Doch schon jetzt erzeugen immer extremere Ausweitungen der Geldmenge von Japan, über die USA nach Europa, immer weniger Wachstum – es droht die sogenannte Singularität: Geldmenge und Schulden tendieren gegen unendlich, Wachstum und Zinsen tendieren gegen Null. Das Zinssystem schaff t sich selber ab. Immer mehr Menschen erkennen und verstehen diese Situation und Zusammenhänge und setzen sich deshalb dafür ein, eine Reform unseres völlig aus dem Ruder gelaufenen Geldsystems zu erwirken, bevor das System von sich aus kollabiert.
Kreditopferverein 2000
„Der Unfug des verzinsten Schuldgeldsystems treibt Menschen in den Ruin.“ Dies behauptet eine Gruppe österreichischer Systemkritiker mit WU-Professor Franz Hörmann (Autor von „Das Ende des Geldes“) an vorderster Front. Sie wollen mit dem von ihnen gegründeten Kreditopferverein 2000 verschuldete Menschen zusammentrommeln und österreichische Banken klagen. Der Vorwurf: Ihre Kreditverträge beruhen auf Betrug. Zudem brachte der Verein Anzeige in Sachen Hypo Alpe Adria ein. Der Vorwurf an Bankvorstand und Aufsichtsrat sowie an Task Force und Politiker : Schuldhafte Verzögerung eines Konkursantrages.
Er will das Schweizer Geldsystem grundlegend reformieren. Die Einführung des staatlichen Vollgeldes anstelle des heute von den Banken aus dem Nichts erschaff - baren Giralgeldes soll mit Finanzkrisen Schluss machen, der Realwirtschaft Vorteile bringen und das gesellschaftliche Ungleichgewicht, das aus dem Schuldgeldsystem erwachsen ist, wieder ins Gleichgewicht bringen.
Eine weitere Gruppe politisch unabhängiger Bürgerinnen und Bürger, die sich beherzt für eine dringend notwendige Finanzreform in der Schweiz und weltweit einsetzt, ist die „Impulswelle“. Sie fordert die strikte rechtliche Trennung von Geschäftsbanken (Kredit-Banken) einerseits und Investment-Banken (Spekulationsbanken) andererseits. Nachdem Präsident Bill Clinton diese bis dahin gesetzlich geregelte Trennung im Bankensystem (Glass-Steagall-Act) 1999 unter starkem politischem Druck endgültig abschaffte, konnte sich die Finanzspekulation mit Derivaten und strukturierten Produkten ungebremst zu einer gigantischen Finanzblase entwickeln, die inzwischen unsere gesamte Weltwirtschaft bedroht.
Das Trennbankensystem regelt die geordnete Abwicklung eines Konkurses von Investment-Banken. Dabei wird die Realwirtschaft geschützt, weil Geschäftsbanken nicht mehr zur Rettung von Spekulationsbanken herangezogen werden können. Ein Trennbanken-System bedeutet das Ende der Schuldenwirtschaft: Es gewährleistet den Erhalt von Ersparnissen, einer funktionierenden Realwirtschaft und Investitionen in die Infrastruktur eines Landes.
Weitere Infos unter: www.impulswelle.ch
Demokratische „Bank für Gemeinwohl“
Auch das Konzept dieser Bank sieht die Verwendung von Vollgeld vor. Kredite an Kunden auf der einen Seite, werden dabei ausschließlich durch Einlagen von Kunden auf der anderen Seite finanziert. Eine Geldschöpfung der Bank findet nicht statt.
Neben der Bonitätsprüfung wird auch eine „Gemeinwohlprüfung“ für die Entscheidung zur Kreditvergabe herangezogen. Über (teilweisen) Zinsverzicht von Einlegern könnte die Finanzierung von besonders gemeinwohlorientierten Projekten unterstützt werden.
Die Bank konzentriert sich ausschließlich auf das klassische Bankgeschäft: Das Führen von Girokonten, den Zahlungsverkehr und das Anbieten von Sparprodukten auf der einen und Krediten auf der anderen Seite. Unterstützer zur Gründung dieser Bank - durch Mitarbeit oder Spenden – werden noch gesucht.
Weitere Infos unter: www.mitgruenden.at
Christian Felber, der bereits mit der „Gemeinwohlökonomie“ international für Aufsehen gesorgt hat und auch Mitinitiator der „Bank für Gemeinwohl“ ist, zeigt in seinem neuen Buch „Geld – die neuen Spielregeln“ umfassend die Auswüchse unseres Geldsystems auf und wie ein demokratisches Gemeinwesen die Spielregeln, nach denen Geld in Umlauf kommt und verwendet wird, neu regeln und bestimmen kann. Den Banken soll das nie explizit verliehene Recht zur Geldschöpfung wieder entzogen werden. Im Gegenzug sollen wieder demokratisierte Zentralbanken die gesamte für den Wirtschaftskreislauf notwendige Geldmenge über den Staat zur Verfügung stellen. So muss sich der Staat nicht mehr verschulden und mit einem Schlag wäre auch das Schuldenproblem gelöst.
Weitere Infos unter: www.christian-felber.at
Meine Buchempfehlung
Michael Morris: Der Goldkrieg
Seit 150 Jahren kontrolliert ein westliches Bankenkartell den Goldhandel und die Weltfinanzen. Jetzt gibt es eine Gegenmacht.
Harvey Friedman: Bankster Club
Banken-Whistleblower Harvey Friedmann über unglaubliche Machenschaften in der österreichischen und internationalen Bankenszene.
Artikel als PDF Download

